Grundlegendes

Eine ausgewogene Ernährung während Ihrer Schwanger­schaft ist besonders wichtig. Ihr Baby nimmt alles, was es für seine Ent­wicklung braucht, über Sie auf. Der Rat­schlag „Bist du schwanger, iss für zwei“ ist veraltet, denn nicht die doppelte Nahrungs­zufuhr ist ent­scheidend, sondern Qualität und Zusammen­setzung der Nahrungs­mittel.

Täglich erforderlich sind:
  • ausreichend energiearme Flüssigkeit
  • Rohkost, Gemüse, Obst, Salate
  • Getreideprodukte, möglichst in der Vollkornvariante
  • fettarme Milch und Milchprodukte
  • hochwertige pflanzliche Öle und Streichfette in reduzierter Form
Wöchentlich erforderlich sind:
  • 2 bis 3 Mal pro Woche kleinere Fleischportionen
  • 1 bis 2 Mal pro Woche Seefisch

Energiebedarf

Schwangere Frauen verbrauchen im Durchschnitt 2400 kcal am Tag. Während der vollen Still­zeit steigt der Be­darf zusätzlich und er verringert sich wiederum, wenn partiell gestillt wird. Der Energie­bedarf einer schwangeren Frau ist also nicht viel höher als der einer nicht schwangeren Frau, die täglich etwa 2100 kcal umsetzt.
Im Allgemeinen ist eine Gewichts­zunahme zwischen neun und 14 Kilogramm während der Schwanger­schaft normal und notwendig. Sollten Sie über- oder unter­gewichtig sein, bestehen indivi­duelle Richtwerte. In den ersten drei Monaten sollte keine Gewichts­zunahme erfolgen. Ab dem vierten Monat ist eine Zu­nahme von einem Kilo pro Monat ge­wöhnlich. Sollten Sie unge­wöhnlich schnell zu- oder abnehmen, wenden Sie sich an Ihre:n Gynäkolog:in.

Nährstoffe

Eiweiß

Der Eiweißbedarf steigt in der Schwangerschaft durch die erhöhte Zell­bildung zur Ver­sorgung von Muskeln, Knochen, Organen und Binde­gewebe. Sie und Ihr Unge­borenes benötigen Eiweiß zur Ver­mehrung des Blut­volumens sowie zum Aufbau der Gebär­mutter. Gute Eiweiß­lieferan­ten sind mageres Fleisch, Geflügel, Fisch, fettarme Milch und Milch­produkte, Hülsen­früchte sowie Kartoffeln. Milch­produkte ent­halten neben hoch­wertigem Eiweiß auch wichtiges Calcium.

Fett

Wählen Sie Fette behutsam aus, denn bei schwangeren Frauen treten häufig Stoff­wechsel­störungen auf. Wichtig ist die Qualität von Ölen und Fetten, die generell sparsam ein­gesetzt werden sollen. Bevorzugen Sie hoch­wertige, pflanzliche Öle und achten Sie auf versteckte Fette in Wurst­waren, Fleisch, Süß­waren und Fertig­gerichten.

Kohlenhydrate

Kohlenhydrate, idealerweise die Basis Ihrer Mahlzeit, sind in Getreide­produkten (vorzugs­weise in der Vollkorn­variante), Kartoffeln, Gemüse und Obst enthalten. Diese Nahrungs­mittel­gruppen ent­halten zudem Vitamine, Mineral­stoffe sowie Ballast­stoffe, die Ihre Darm­tätigkeit in Schwung bringen. Vermeiden Sie Kohlen­hydrate in Form von Süß­waren, um Blut­zucker­schwankungen und eine erhöhte Gewichts­zunahme zu ver­hindern.

Essentielle Nährstoffe

In der Schwangerschaft besonders wichtig ist auch die richtige Ver­sorgung mit essentiellen Nähr­stoffen. Diese sind für den Organismus lebens­notwendig – können aber vom Körper nicht selbst aus anderen Nähr­stoffen wie Wasser, Fett oder Eiweiß her­gestellt werden. Zu den essen­tiellen Nähr­stoffen zählen Amino­säuren, Fett­säuren, Mineral­stoffe (Mengen­elemente, Spuren­elemente) und Vita­mine.

Folsäure

Der Bedarf an Folsäure ist während der Schwangerschaft doppelt so hoch, vor allem zur Ver­minderung des Risikos von Fehl­entwicklungen des Rücken­marks und Nerven­systems. Zu finden ist Folsäure in Kartoffeln, Gemüse (Gurken, Kicher­erbsen, Kohl­sorten, Sojabohnen, Spargel, Spinat, Tomaten und Weizen­keimen), Obst (Orangen und Wein­trauben), Vollkorn­produkten, Erdnüssen, Fleisch und Milch­produkten.

Eisen

Die erhöhte Blutbildung in der Schwangerschaft verlangt nach der doppelten Menge Eisen. Eisen steckt in grünem Gemüse, einigen Obstsorten (beispiels­weise getrockneten Aprikosen), Hülsen­früchten und Getreide­produkten (beispiels­weise Hirse, Quinoa, Amaranth oder Sesam­samen) sowie vor allem in Fleisch. Eisen aus fettarmem Fleisch und fettarmer Wurst nimmt der Körper am besten auf. Steigern Sie die Eisen-Aufnahme, indem Sie Vitamin C-Haltiges (beispiels­weise Orangen­saft) gemeinsam mit eisenhaltigen Lebens­mitteln verzehren.

Calcium

In der Schwangerschaft sollten Sie den Basisbedarf an Calcium, ca. 1000 mg täglich, um 20% erhöhen, um den Knochen­aufbau Ihres Babys zu unter­stützen. Calcium ist am einfachsten über magere Milch, magere Milch­produkte und magere Käse­sorten aufzu­nehmen. Auch Gemüse (Brokkoli, Fenchel, Grünkohl und Lauch), Hülsen­früchte, Nüsse, bestimmte Mineral­wasser und mit Calcium angereicherte Frucht­säfte sind geeignet.

Magnesium

Eine ausreichende Magnesium-Aufnahme beugt vorzeitigen Wehen vor. Natürliche Lieferanten sind Vollkorn­produkte, Hülsen­früchte, Fleisch und Gemüse. Wenn Sie Eisen­präparate einnehmen, wird die Auf­nahme von Magnesium behindert. Stimmen Sie gegebenen­falls die Ein­nahme von Prä­paraten zeitlich auf­einander ab.

Nahrungs­er­gänzungs­mittel

Der steigende Bedarf an vielen Nährstoffen lässt sich durch eine größere Nahrungs­menge, eine gesunde Nahrungs­auswahl und schonende Gar­methoden decken. Um eine gleich­mäßige Ver­sorgung mit Nähr­stoffen zu garantieren, können über den Tag verteilt fünf bis sechs kleinere Mahl­zeiten konsumiert werden. Lebens­mittel mit hoher Nähr­stoffdichte (Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte, Vollkorn­erzeugnisse, Milch­produkte und Nüsse) sind empfehlens­wert. Wenn Sie zusätzlich min­destens einmal pro Woche Seefisch (Jod­versorgung) sowie zwei bis drei Portionen Fleisch essen, ist die Zufuhr der meisten Nähr­stoffe sicher­gestellt.
Die Ausnahme bilden Folsäure und Eisen. Der erhöhte Bedarf lässt sich über die Lebens­mittel­zufuhr kaum erreichen. Die Einnahme von Zusatz­präpara­ten muss jedoch ärztlich ab­gesprochen werden. Sämt­liche Supple­mente müssen indivi­duell auf Sie abgestimmt, richtig dosiert und ärztlich über­wacht werden.

Auf welche Lebens­mittel besser ver­zichten?

Diese Lebensmittel sind während der Schwangerschaft nicht empfehlens­wert:

  • nicht abgekochte oder unpasteurisierte Milch sowie daraus her­gestellte Produkte (beispiels­weise Camembert, Brie, Blauschimmel­käse oder Gorgonzola)
  • rohes Fleisch sowie daraus hergestellte Produkte (beispiels­weise Mett, Tartar, nicht durch­gebratenes Fleisch, Rohwurst, Mettwurst, Teewurst oder Roh­schinken)
  • roher Fisch (beispielsweise Sushi), Muscheln
  • Speisen aus rohen Eiern (beispiels­weise Mayon­naise, Mousse au chocolat, Zabaione oder Tiramisu)
  • ungewaschenes Obst, vorgefertigte Salate oder eingelegtes Gemüse als offene Theken­ware

Welchen Stellen­wert hat trinken?

Ausreichend zu trinken ist in der Schwangerschaft besonders wichtig. Sie sollten täglich mindestens zwei Liter Flüssig­keit zu sich nehmen – am besten in Form von stillem Mineral­wasser, Leitungs­wasser, ungesüßten Frucht­säften, Kräuter­tees oder verdünnten Obst- und Gemüse­säften. Bei Erbrechen oder Hitze muss die Flüssigkeits­zufuhr gesteigert werden. Schwarz- und Grüntee sowie Kaffee genießen Sie am besten in kleinen Mengen.